
Themendossier
KI und Nachhaltigkeit, wie geht das?
Tech-Konzerne wollen Künstliche Intelligenz (KI) als Lösung für die Klimakrise verkaufen und bringen immer grössere KI-Modelle auf den Markt. Derweil hat der Energieverbrauch dieser Modelle ungeahnte Ausmasse erreicht. Wie passt KI mit Nachhaltigkeit und dem Respekt vor planetaren Grenzen zusammen? Wir geben einen Überblick über das Thema.

Gerade grosse, generative KI-Modelle wie ChatGPT benötigen ein enormes Ausmass an physischer Infrastruktur, menschlicher Arbeit und wertvollen Ressourcen: Für die Hardware werden seltene Mineralien abgebaut. Für ihre Entwicklung braucht es unzählige Stunden menschlicher «Click-Arbeit», oft vorgenommen unter prekären Arbeitsbedingungen im Globalen Süden. Für den KI-Betrieb notwendige Rechenzentren, die weltweit wie Pilze aus dem Boden spriessen, verbrauchen enorme Mengen an Energie und Wasser. Sowohl Microsoft als auch Google mussten ihre ursprünglichen Nachhaltigkeitsziele wieder über Bord werfen: Die KI hat ihren CO2-Ausstoss um knapp 30 bzw. 50 Prozent in die Höhe getrieben. Dazu kommt: Die gesamte KI-Wertschöpfungskette ist geprägt von Machtkonzentrationen bei wenigen Tech-Grosskonzernen.
Eine nachhaltige Gestaltung von KI-Systemen über die ganze Wertschöpfungskette hinweg bedeutet, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. In diesem Themendossier rücken wir die ökologische Dimension ins Scheinwerferlicht.
Rettet die KI uns denn nun vor dem Klimawandel oder zerstört sie den Planeten? So einfach ist das nicht. Denn: KI ist nicht gleich KI. Es gibt KI-Anwendungen, die tatsächlich einen wertvollen Beitrag leisten können, um nachhaltigere, energieeffizientere Lösungen zu entwickeln. Oft beruhen diese auf kleineren Modellen und werden in der Wissenschaft im öffentlichen Interesse entwickelt. Aber KI-Systeme, die in Zahnbürsten eingebaut werden, die für uns E-Mails verfassen, Katzenvideos generieren oder die Lieferketten von Öl und Gas optimieren sollen, haben damit relativ wenig zu tun. Wir müssen uns fragen: Welche KI wollen wir?
Wenn wir KI für Nachhaltigkeit nutzen wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Technologie selbst nachhaltig wird. Um ein innovatives, nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes KI-Ökosystem zu ermöglichen, müssen wir die gesamte KI-Wertschöpfungskette in den Fokus rücken. Als erstes müssen wir Wege finden, die Nachhaltigkeit von KI verlässlich zu bewerten. Auf dieser Basis lassen sich dann evidenzbasierte Rahmenbedingungen gestalten, um nachhaltige KI zu fördern. Und letztlich gilt es, die vielen Erzählungen, die sich um KI ranken, nüchtern einzuordnen und die gesellschaftliche Debatte aus einer Nachhaltigkeitsperspektive mitzuprägen.












