Medienmitteilung

Stromverbrauch von Rechenzentren – mehr Fragen als Antworten?

Gemäss dem Bundesamt für Energie BFE verbrauchten Rechenzentren im Jahr 2024 rund 3.6 % des gesamten Stroms in der Schweiz und damit rund 18% mehr als noch 2020, wie ein heute veröffentlichter Bericht aufzeigt. Dieser wirft gleichzeitig Fragen auf, denn vor einem Jahr vorab veröffentlichte Angaben liessen auf einen massiv höheren Verbrauch schliessen.

7. Mai 2026

#sustainability

Lone Thomasky & Bits&Bäume / betterimagesofai.org / CC-BY 4.0
Angela Müller
Dr. Angela Müller
Geschäftsleiterin AlgorithmWatch CH | Gesellschafterin AlgorithmWatch

Im Sommer 2025 wurden erste Zahlen aus dem heute final veröffentlichten Bericht bekannt – der Tages-Anzeiger und SRF berichteten. Interessanterweise unterscheiden sie sich massiv von den jetzt vorliegenden Angaben. Während es letztes Jahr hiess, dass Rechenzentren bereits heute 6-7% des Stroms in der Schweiz verbrauchen und dies bis 2030 auf 10-15% anwachsen könnte, wurde dies im heute veröffentlichten Bericht massiv nach unten korrigiert.

«Der Bericht macht wertvolle Erhebungen, doch seine Ausführungen sowie die grosse Diskrepanz zu den vorab veröffentlichten Zahlen zeigen: Verlässliche Zahlen zum Stromverbrauch von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz gibt es noch kaum, die Unsicherheit ist gross – und Transparenz wäre bitter nötig. Als Grundlage für politische oder infrastrukturelle Entscheidungen sind die heutigen Annahmen schlicht zu wackelig. Anbieter müssen jetzt verpflichtet werden, ihren Energieverbrauch offenzulegen – sonst bleiben die Bevölkerung und die Politik weiter im Dunkeln.»

Angela Müller, Geschäftsleiterin AlgorithmWatch CH

Im Bericht des Bundesamts für Energie selbst wird ausgeführt, dass die Unsicherheit gross ist, viele Anbieter die Angaben verweigern und die Zahlen auf einer auf Stichproben beruhenden Hochrechnung beruhen. Damit besteht das Risiko, den Verbrauch zu unter- oder überschätzen. Auch wie sich die Künstliche Intelligenz, die gemäss Bericht derzeit noch kein grosser Treiber des Stromverbrauchs von Rechenzentren ist, weiter auswirken wird, bleibt ungewiss.

Aus Sicht von AlgorithmWatch CH ist es fraglich, ob auf dieser unsicheren Grundlage politische Entscheidungen zur Energieversorgung, -infrastruktur oder -verteilung getroffen werden sollten. Was es also als ersten Schritt braucht, ist eine Verpflichtung für Betreiber von Rechenzentren und Anbieter von KI, unabhängig überprüfbare Kennzahlen zum Energieverbrauch zu veröffentlichen. Eine von AlgorithmWatch CH in Auftrag gegebene Bevölkerungsumfrage hatte Ende 2025 gezeigt, dass sich 4 von 5 Personen in der Schweiz mehr Transparenz wünschen zum Energieverbrauch und den Energiequellen von Rechenzentren. Zudem fordern fast drei Viertel der Bevölkerung, Rechenzentren mit erneuerbarer Energie zu betreiben. Auch der Bericht des Bundesamts für Energie zeigt, dass noch immer ein erhebliches Effizienzpotenzial bei Rechenzentren besteht, das diese nutzen können – und sollten.

«Es ist eine falsche Balance zu denken, Effizienzgewinne durch KI werden ihren Energieverbrauch einfach aufheben. KI wird für ganz vieles eingesetzt – von Katzenvideos und Deepfakes bis zu sinnvollen Anwendungen, die den Klimaschutz stärken. Wir müssen beides tun: KI für Nachhaltigkeitsziele einsetzen, aber auch KI selbst nachhaltig machen.»

Angela Müller, Geschäftsleiterin AlgorithmWatch CH

AlgorithmWatch CH lanciert im Juni 2026 ein neues Projekt mit dem Ziel, Künstliche Intelligenz und Klimaschutz stärker zusammen zu denken. Dafür wird die Organisation mit verschiedenen Organisationen und Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Industrie zusammenarbeiten.

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