Jahresrückblick
Warum 2026 jetzt kommen kann
2025 hatte es in sich. Und doch haben wir auch viele positive Momente gesehen. Ein Jahresrückblick mit Blick in die Zukunft.

2025 hatte es in sich. Wir sind im Januar erwacht in einer Welt, in der Social-Media-Plattformen die Moderation von Inhalten zurückfahren, während ihre CEOs Millionen an Trumps Amtseinführung spenden. Im Laufe des Jahres haben wir die KI-Blase weiter wachsen und den Hype in schwindelerregende Höhen steigen sehen. Wir haben erlebt, wie Google, schon lange mächtiger Türsteher zur Welt der Information, uns mit dem «AI Overview» gar nicht mehr über die Schwelle lässt – ein paar Sätze des Türstehers sollen künftig reichen. Wir haben von tragischen Fällen erfahren müssen, in denen Jugendliche sich nach der Interaktion mit KI-Gefährten das Leben genommen haben, sahen KI-generierten Schrott («Shrimp Jesus» lässt grüssen!) das Internet fluten – während Silicon-Valley-Investor Peter Thiel Regulierungen für KI als «Antichrist» bezeichnet.
Und doch haben wir 2025 auch viele positive Momente gesehen: Technologie fürs Gemeinwohl, neue Regeln für Plattformen und Suchmaschinen, wachsende Aufmerksamkeit für den Ressourcenhunger von KI. Das zeigt: Technologie kann mit Grundrechten, Demokratie und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen – wenn wir etwas dafür tun. Und genau das haben wir bei AlgorithmWatch CH auch im vergangenen Jahr getan:
KI & Grundrechte

Nach unserem öffentlichen Appell zum Schutz vor Diskriminierung durch Algorithmen & KI liess der Bundesrat im Mai verlauten, dass er hinsichtlich der Regulierung von KI «im Rahmen seiner Arbeiten ein besonderes Augenmerk auf die Herausforderungen in Bezug auf Diskriminierung legen» wird. Ein wichtiges Signal, dass unsere Grundrechte im Umgang mit KI geschützt und gefördert werden müssen!
Wenn wir KI-Anwendungen wollen, die uns allen zugutekommen, müssen wir dies auf diversen Ebenen angehen. So präsentierten wir zusammen mit dem Horizon-Europe-Projekt «FINDHR» diesen Herbst praktische Lösungsansätze, um Diskriminierung durch KI-Systeme in der Personalauswahl zu reduzieren. Ob Empfehlungen für die Politik, Trainings für HR-Verantwortliche oder Tools für Software-Entwickler*innen: Die Ergebnisse stehen nach mehrjähriger Forschung nun zur freien Nutzung zur Verfügung.
KI & Demokratie

Als im Frühling bekannt wurde, dass der Bundesrat vorsah, den für 2024 angekündigten Gesetzesentwurf zur Regulierung von Online-Plattformen wie Instagram, X oder Google weiter hinauszuzögern, formierte sich ein breiter Widerstand aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Der von uns initiierte Offene Brief wurde von Parlamentarier*innen aller Bundeshausfraktionen unterzeichnet. Darin forderten wir den Bundesrat auf, einen klaren Fahrplan für die Plattformregulierung vorzulegen. Denn: Unsere Demokratie braucht Regeln für Social Media und Suchmaschinen!
Im Oktober war es dann endlich soweit: Der Bundesrat veröffentlichte den Gesetzesentwurf zur Regulierung von Online-Plattformen. Zukünftig sollen grosse Online-Plattformen ihre gesellschaftlichen Risiken regelmässig untersuchen, Daten im öffentlichen Interesse für Forschungszwecke freigeben sowie mehr Transparenz über ihre Algorithmen schaffen müssen. Unsere Einschätzung bei SRF.
KI & Nachhaltigkeit

Der Hype rund um Künstliche Intelligenz treibt den Verbrauch von Strom und Wasser in Rechenzentren in die Höhe. Im Herbst zeigte eine von uns mitgetragene repräsentative Umfrage nun: Die Schweizer Bevölkerung ist besorgt über den Strom- und Wasserverbrauch von Rechenzentren und will, dass Rechenzentren mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Auch die Hauptausgabe der SRF Tagesschau hat berichtet.
Das ganze Jahr über arbeiteten wir daran, Fakten auf den Tisch zu bringen und die Debatte mitzugestalten. Wir waren am «AI Action Summit» in Paris, publizierten einen Gastkommentar im Tages-Anzeiger, zeigten die Umweltauswirkungen entlang der KI-Lieferkette in einem Video auf, veröffentlichten eine Recherche zum Rechenzentren-Ausbau in der Schweiz, schrieben Erklärtexte, organisierten eine Podiumsdiskussion zum Thema und waren als Panelistin bei Veranstaltungen der UNO und der Bundesverwaltung eingeladen. Stets mit dem Ziel vor Augen: KI und Klimaschutz dürfen sich nicht behindern, sondern müssen Hand in Hand gehen. Übersicht zum Thema und unseren Aktivitäten.
AlgorithmWatch CH & 2026

Wenn 2025 es in sich hatte, können wir davon ausgehen, dass auch 2026 einiges auf uns zukommen wird. Umso mehr werden wir uns auch nächstes Jahr mit viel Engagement dafür einsetzen, die Rolle von Technologie für die Gesellschaft zu untersuchen – und sie mitzugestalten.
Seit nun fünf Jahren setzen wir uns in der Schweiz dafür ein, dass wir alle von KI profitieren statt nur einige wenige Tech-Konzerne. Damit wir auch in den kommenden fünf Jahren wirkungsvolle Arbeit leisten können, sind wir auf eine starke Gemeinschaft von engagierten Unterstützer*innen angewiesen: Bereits über 100 Menschen haben sich dazu entschieden, uns als AlgorithmWatch CH Friend mit einem kleinen oder grösseren finanziellen Beitrag regelmässig zu unterstützen.
Kannst du dir auch vorstellen, AlgorithmWatch CH Friend zu werden? Damit wirst du Teil einer Gemeinschaft, die wir regelmässig zu Veranstaltungen von uns einladen, erhältst vertiefte Einblicke in unser Wirken und kannst dich mit Gleichgesinnten vernetzen. Deine Spende kannst du von den Steuern abziehen. Hier erfährst du mehr.

